Schwarzer Kanal reloaded

...Vatersein dagegen sehr

Schwarzer Kanal reloaded

29. Juli 2018 Er-/Beziehung 1

Es war ja schon so, dass bei der Fakt Ist!-Sendung zum Wechselmodell wenig sachliches zum Thema veröffentlicht wurde. Da das Sommerloch gerade ganz weit offen steht, hat sie die MDR-Redaktion mal wieder alten Käse zum Aufwärmen geholt, mit dem sie versuchen populistisch Klickzahlen zu generieren. Gabriels Führerscheinentzug für säumige Väter. Es ist ja nicht so, als gäbe es nicht schon ausreichend rechtliche Möglichkeiten, um Väter zur Rechenschaft ziehen zu können, wenn sie denn zahlungsfähig sind.

 

Liebe MDR – Mitteldeutscher Rundfunk-Redaktion,es tut mir natürlich überaus leid, wenn sie sich in ihrer…

Gepostet von Lutz R. Bierend am Sonntag, 29. Juli 2018

Liebe MDR – Mitteldeutscher Rundfunk-Redaktion,
es tut mir natürlich überaus leid, wenn sie sich in ihrer journalistischen Ehre verletzt fühlen, wenn ich ihnen eine geschlechtsspezifische Agenda unterstelle, aber der effektivste Weg dagegen vorzugehen, wäre wenn sie einfach mal Kompetenz an den Tag legen, in die Debatte einsteigen und mir zeigen würden, wo ich unrecht habe.
Selbst das Feigenblatt ‚Jedoch distanzieren wir uns von Ihren Vorwürfen, wir würden uns auf einen Elternteil konzentrieren.“ ist leider weniger gehaltvoll als Barschels Ehrenwort, vor allem wenn man sich die Geschichte ihrer hier zur Diskussion gestellten Schnapsidee ansieht. Die meisten Medien titelten ähnlich wie N-TV als Sigmar Gabriel und Manuela Schwesig das erste Mal mit dieser Idee an die Öffentlichkeit traten „SPD-Chef für Führerscheinentzug: Gabriel knöpft sich säumige Väter vor“ oder die FR „Führerscheinentzug: Abschreckende Wirkung auf säumige Väter“. Die gesamte Berichterstattung konzentrierte sich auf säumige Väter, auch wenn die Überschriften manchmal noch neutral gehalten waren. Wollen Sie jetzt wirklich behaupten, sie sind die erste Redaktion, die bei diesem Thema nicht primär Väter im Blick hat?
Warum ignorieren Sie dann die Tatsache, dass, wenn die berechtigte Befürchtungen bestehen, Unterhaltspflichtige könnten Einkommen verschweigen, diese Zahlungsunwilligen bis zu 6 Monate in Beugehaft genommen werden können. Warum ignorieren sie dass Unterhaltspreller gegenwärtig bis zu drei Jahre ins Gefängnis gehen können? Und das Mütter mit einem Unterhaltstitel einfach zum Gerichtsvollzieher gehen können, damit der ihnen das Geld eintreibt.
Warum glauben Sie, dass im Gegensatz dazu beim Führerscheinentzug plötzlich die Unterhaltsmillionen sprudeln.
Wenn sie dann auch noch bei der ersten besten Frage zu kriminellen Müttern, die Umgangsweigerung betreiben, wie aus der Pistole geschossen den Sanktionskatalog herunterbeten können und damit den Vorschlag als irrelevante Bagatelle abtun, wirkt es auch nicht wirklich so, als würden Sie auf beiden Augen gleich gut sehen können. Vor allem, wenn der EGMR Deutschland schon gerügt hat, weil diese Mittel gegen letztere verantwortungslose Eltern überhaupt nicht effektiv genutzt werden, und Väter trotzdem oft jahrelang klagen müssen, bis ihre Kinder sie überhaupt nicht mehr kennen. Das sagt es schon einiges über die Bedeutung dieses Thema aus. Wann gab es denn eigentlich das letzte Mal eine bedeutende Klage wegen zahlungsunwilliger Eltern, bei dem der EGMR Herrn Gabriel oder Ihnen eine Legitimation für diese Stimmungsmache geliefert hätte?
Woher haben sie ihre Zahlen, die nahelegen, dass eine Mutter, die Anspruch auf Unterhalt hat (sprich einen Unterhaltstitel), nicht an ihr Geld kommt, wenn welches vorhanden sind. Abgesehen von einigen Selbstständigen, mit einer kreativen Schlecker-Buchhaltung, wird es da wenige geben, denn überforderte Jugendämter braucht man dafür nicht. Ich vermute, vielen geht es so, wie es mir gegangen wäre, wenn meine Tochter nicht gerade vor der Änderung der Unterhaltsvorschußregelungen 2017 18 geworden wäre. Ich hatte auch keinen Unterhalt eingeklagt, sondern mich mit Unterhaltsvorschuss begnügt, weil ich gewusst habe, dass es bei meiner Ex- sowieso nichts zu holen gab.
Solange sie hier keine glaubwürdigen Zahlen haben, die nicht auf einer Umfrage eines Alleinerziehendenverbandes beruhen, können sie sich ja gerne an der Diskussion beteiligen. Wenn sie diese nicht haben, betreiben Sie leider nichts als populistische Stimmungsmache.
Ein Tipp: Wenn Montagsdemonstranten über ihre Berichterstattung „Lügenpresse“ rufen, dann ist das kein Programmwunsch, den Sie erfüllen sollen, sondern dann ist es eine infame Unterstellung, der sie am besten mit faktenbasierter Berichterstattung kontern könnten. Versuchen sie es doch mal. Dann stehen sie auch nichts so argumentbefreit in der Debatte da, und können mehr als ihr Ehrenwort in die Runde werfen, es ginge ihnen nicht um eine geschlechtsspezifische Agenda.
Ich habe meine Gründe genannt, weswegen ich ihre Aussage für Bullshit halte, nehmen sie das Diskussionsangebot doch einfach mal an zeigen Größe und begründen warum ich unrecht habe.

Die vorangegangen Postings:

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Und die Antwort des MDR

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Eine Antwort

  1. Thomas sagt:

    Lieber Lutz Bierend,

    wortgewaltig, hintersinnig, auf den Punkt! Wunderbar.

    Doch ich befürchte, Ihre Mühe wird fruchtlos bleiben, denn das öffentlich-rechtliche Pay-TV hat schon lang den Kontakt zum eigenen gesellschaftlichen Mandat verloren.

    Das Wort Lügenpresse ist da schon Hoffnungsschimmer, zeigt es doch, dieser Missstand wird in der Breite wahrgenommen.

    Reparabel ist der Schaden -Vertrauensverlust – meines Erachtens jedoch nicht. Zu groß ist die Enttäuschung über den Missbrauch der Macht (eine unabhängige Instanz zu sein).

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